Welche Projektmanagement-Organisationen gibt es?

Zuletzt aktualisiert: 06.07.2022

Die steigende Bedeutung von Projektmanagement hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten dazu geführt, dass eine Vielzahl von Organisationen, Systemen und Standards entstanden sind. Je nach kulturellem Hintergrund haben sich so verschiedene Projektmanagementansätze herausgebildet, die in unterschiedlichen Konzepten und auch unterschiedlichen Zertifizierungen für Projektmitarbeiter münden.

Als wesentliche internationale Organisationen und Konzepte sind die International Project Management Association (IPMA) und das Project Management Institute (PMI) zu nennen. Des Weiteren kommt als weit verbreiteter Standard Prince2 hinzu, der aktuell vom britischen Office of Government Commerce (OGC), einer Regierungsorganisation, herausgegeben wird.

Was bedeutet PMI?

Das Project Management Institute (PMI) wurde 1969 in den USA gegründet und ist beispielsweise in Österreich durch das PMI Austria Chapter, in Deutschland durch vier Chapters in Frankfurt, München, Berlin und Köln vertreten. Das PMI ist Herausgeber des Project Management Body of Knowledge (PMBOK), welcher neben der ICB der IPMA den zweiten, weltweit gültigen Standard für Projektmanagement darstellt und derzeit (Stand Mai 2013) in der Fifth Edition vorliegt.

Vergleichbar mit den Kompetenzelementen der IPMA hat das PMI neun Wissensfelder beschrieben, die im PMBOK ausführlich beschrieben sind (siehe dazu Wissensfelder des Projektmanagements).

Das PMI bündelt seine Projektmanagementprozesse in verschiedene Prozessgruppen, die sich im Gegensatz zu den Kompetenzelementen der IPMA mehr an den Phasen eines Projektes orientieren. Damit legt das PMI einen größeren Fokus auf Projektmanagementprozesse als die IPMA. 

Das hat einerseits den Vorteil, dass eine Art Checkliste entsteht, da in jedem Projekt unabhängig von sonstigen Rahmenbedingungen wie Art und Größe des Projektes, immer wieder die gleichen Prozesse benötigt werden und so Sicherheit entsteht und auch weniger kompetentes Projektpersonal in der Lage ist, Projekte abzuwickeln (der Begriff „managen“ erscheint dann eher unangebracht). 

Andererseits besteht so die Gefahr, dass die Projekte in Formalismus versanden und die handelnden Personen nicht die – in dynamischen Projekten – notwendige Flexibilität in ihren Handlungen entwickeln können.

Im Einzelnen beschreibt das PMI folgende Prozessgruppen:

  • Prozessgruppe der Initiierung, die zu Beginn eines Projektes und zu Beginn einer jeden neuen Projektphase durchlaufen wird.
  • Prozessgruppe der Planung, die alle Prozessschritte der Planung und Detaillierung eines Projektes beschreibt und sich dabei an den Projektzielen orientiert.
  • Prozessgruppe der Ausführung, welche die Steuerung des Ressourceneinsatzes und auch Teamentwicklung und Qualitätsmanagement beinhaltet.
  • Prozessgruppe der Überwachung, die das laufende Monitoring und Controlling inklusive dem Änderungsmanagement beschreibt.
  • Prozessgruppe des Abschlusses, die alle Prozessschritte zur Übergabe und administrativen Vertragsbeendigung beinhaltet.


Grundsätzlich wiederholen sich alle Prozessgruppen in unterschiedlicher Ausprägung in jeder wesentlichen Projektphase.

Im Gegensatz zu den Zertifizierungen der IPMA bauen die unterschiedlichen Zertifizierungen des PMI nicht aufeinander auf. Da die Anforderungen sowohl in Bezug auf die Zugangsvoraussetzungen als auch in Bezug auf die Prüfung deutlich geringer sind als die der IPMA, hat das PMI einen deutlich höheren Verbreitungsgrad, vor allem im amerikanischen Raum, gefunden. Eine Beraterzertifizierung existiert im Gegensatz zur IPMA (Stand November 2020) nicht. Die nachfolgende Übersicht enthält die PMI-Zertifizierungen.

  • Certified Associate in Project Management (CAPM)
  • Project Management Professional (PMP)
  • Program Management Professional (PgMP)
  • Portfolio Management Professional (PfMP) 
  • Agile Certified Practitioner (PMI-ACP)
  • Risk Management Professional (PMI-RMP)
  • Scheduling Professional (PMI-SP)
  • Professional in Business Analysis (PMI-PBA) 

Was bedeutet IPMA?

Die IPMA ist ein weltweiter Dachverband verschiedener nationaler Projektmanagementverbände. In Deutschland wird sie durch die Gesellschaft für Projektmanagement (GPM), in Österreich durch die pma, die Projekt Management Austria, vertreten. 

Der Ansatz der IPMA ist kompetenzorientiert und ist in der International Competence Baseline (ICB) festgehalten. Um nach diesem Konzept im Projektmanagement erfolgreich agieren zu können, ist es notwendig, dass die handelnden Personen über die notwendige Kompetenz verfügen, die sich aus folgenden Bestandteilen ergibt:

  • Zuständigkeit
  • Befugnis
  • Wissen
  • Können und Fähigkeit
  • Erfahrung
  • Einstellung

Verkürzt dargestellt geht der Ansatz davon aus, dass eine hinreichende Kompetenz der beteiligten Personen es diesen ermöglicht, auch in dynamischen Umfeldern erfolgreich agieren zu können. Im Gegensatz zum PMI-Ansatz, der stärker prozessorientiert ist, wird den in die Projektarbeit eingebundenen Personen kein Prozessmodell mit an die Hand gegeben, welches vorgibt, wann im Projekt was zu tun ist. 

Vielmehr wird davon ausgegangen, dass kompetente Personen dies viel besser situativ selbst entscheiden können. Allerdings nimmt die IPMA in ihrer aktuellen International Competence Baseline (ICB 3.0) auch Bezug auf die DIN 69901, die in Ihrer seit Anfang 2009 gültigen Fassung ebenfalls ein Prozessmodell in den Mittelpunkt stellt.

Das Zertifizierungssystem der IPMA gilt in Fachkreisen als das weltweit anspruchsvollste Zertifizierungssystem im Bereich des Projektmanagements. Es bietet eine 4-Levelzertifizierung von Level D als niedrigstem bis zum Level A als höchstem Level an. Parallel zu den Projektmanagerzertifizierungen existiert beispielsweise die Zertifizierung zum Project Management Consultant (PMC), bei der zusätzlich zu den projektmanagementspezifischen Kompetenzelementen auch die beratungsspezifischen Kompetenzelemente abgeprüft werden. 

Die PM-Zertifizierungen sind zweistufig aufgebaut. Neben einer formalen Prüfung der einzureichenden, umfangreichen Erfahrungsnachweise und Tätigkeitsberichte sowie einer anzufertigenden Projektstudienarbeit findet eine mehrstündige Wissensprüfung und bei Level C bis A auch ein Assessment-Center statt.

Zertifizierungsebenen nach IPMA

Zertifizierungsebenen nach IPMA

Für die Zertifizierung als Junior Projektmanager/in (zJPM), Projektmanager/in (zPM), Senior Projektmanager/in (zSPM) und PM Executive (zPME) werden Wissen bzw. Erfahrung in drei Kompetenzbereichen (PM-technische, PM-Kontext- und PM-Verhaltens-Kompetenzen) vorausgesetzt und in einem entsprechenden Schwierigkeitsgrad evaluiert und bewertet. Je nach Erfahrung kann bis zum IPMA-Level B® direkt eingestiegen werden.

Was ist Prince2?

Prince2 ist eine Methode zum Management von Projekten und steht für „Projects in Controlled Environments“. Sie wurde 1989 von der britischen Central Computer and Telecommunications Agency (CCTA) als Regierungsstandard für Projektmanagement von IT-Projekten entwickelt, fand aber bald über IT-Projekte hinaus weitere Verbreitung und ist aktuell der de facto Standard für PM in Großbritannien. Die aktuelle Version wurde 2009 vom Office of Government Commerce (OGC) veröffentlicht, das mittlerweile die CCTA abgelöst hat.

Analog zu PMI ist auch Prince2 prozessorientiert. Es werden acht Prozesse definiert, die phasenunabhängig bzw. phasenübergreifend gelten:

  • Vorbereiten eines Projekts
  • Lenken eines Projekts
  • Planung eines Projekts
  • Initiieren eines Projekts
  • Steuern einer Phase
  • Managen der Produktlieferung
  • Managen der Phasenübergänge und 
  • Abschließen eines Projekts 

Je nach Rahmenbedingungen des zu managenden Projektes müssen nicht immer alle Prozesse gleichermaßen zur Anwendung kommen, sondern können reduziert werden oder sogar ganz wegfallen. Ähnlich wie PMI bietet damit auch Prince2 den Vorteil einer durchgängigen Standardisierung, die sich an Best Practices im Projektmanagement orientiert und damit eine gute Grundlage bietet. Allerdings ist Prince2 sehr dokumentenlastig, was zuweilen von der eigentlichen Projektarbeit ablenkt und nicht im Sinne der Zielerreichung sein kann.

Die Zertifizierung erfolgt bei Prince2 durch beim OGC akkreditierte Organisationen, die auch entsprechende Schulungen anbieten. Die beiden Zertifizierungen bauen aufeinander auf; Voraussetzungen wie zum Beispiel praktische Erfahrung im Management von Projekten werden nicht gefordert.