Was bedeutet Stabilität von Prozessen?

Zuletzt aktualisiert: 19.01.2022

Was ist der Unterschied zwischen „beherrscht“ und „fähig“?

Obwohl im Sprachgebrauch die Begriffe „beherrscht“ und „fähig“ häufig gleichbedeutend für die Bewertung von Prozessen verwendet werden, existiert doch per Definition ein klarer Unterschied.

Was bedeutet der beherrschte Prozess?

Ist ein Prozess beherrscht, betrifft diese Aussage lediglich den aktuellen Prozesszustand. Einzelne Qualitätsmerkmale werden quantitativ hinsichtlich ihrer statistischen Verteilung betrachtet. Dabei ändern sich die Prüfergebnisse dieser Qualitätsmerkmale und damit deren statistische Verteilung kaum oder nur in bekannter Weise innerhalb der gesetzten Grenzen.

Da in dieser Betrachtung kein vom Prozess erzeugtes Produkt beteiligt ist, liefert die Aussage über die Beherrschung eines Prozesses noch keinerlei Aussage über dessen Qualitätsfähigkeit.

Beherrschter Prozess
Nicht beherrschter Prozess
Beherrschter Prozess (oben) gegenüber nicht beherrschtem Prozess (unten)

Was bedeutet der fähige Prozess?

Ist ein Prozess fähig, können mit diesem Produkte erzeugt werden, welche die an sie gestellten Qualitätsmerkmale erfüllen werden. Die Fähigkeit betrifft demnach eine Erwartung von zwei getrennten Einheiten, einer produzierenden Einheit einerseits sowie der produzierten Einheit andererseits.

Fähiger Prozess
Nicht fähiger Prozess
Fähiger Prozess (oben) gegenüber nicht fähigem Prozess (unten)

Was sind typische Prozessformen?

Prozeßergebnisbeherrschtqualitäts-
fähig
Fall A
Typische Prozessform: Fall A
jaja
Fall B
Typische Prozessform: Fall B
ja
wenn systematische Einflüsse vorhersagbar sind
ja
Fall C
Typische Prozessform: Fall C
ja
wenn systematische Einflüsse vorhersagbar sind
ja
Fall D
Typische Prozessform: Fall D
ja
wenn systematische Einflüsse vorhersagbar sind
nein
Fall E
Typische Prozessform: Fall E
janein
Fall F
Typische Prozessform: Fall F
neinkein Aussage möglich
Fall G
Typische Prozessform: Fall G
neinnein

Unterschiedliche Prozesstypen und ihre Beherrschbarkeit/Fähigkeit

Fall A: Der ideale Prozess

  • Der Mittelwert ist über der Zeit konstant.
  • ±3σ liegt innerhalb der oberen und unteren Grenzwerte.
  • Konstante Streuung (Standardabweichung).
Der ideale Prozess

Fall B: Der reale Prozess

  • Der Mittelwert ist über der Zeit nicht konstant, ändert sich sprunghaft
  • Konstante Streuung (Standardabweichung) in kurzen Intervallen
  • Breitere Standardabweichung in der Langzeitbetrachtung.
Der reale Prozess

Fall C: Der abgleitende Prozess (driftender Prozess)

  • Die Mittelwerte bleiben in den vorgesehenen Grenzen, driften aber.
  • Konstante Streuung (Standardabweichung) in kurzen Intervallen
  • Breitere Standardabweichung in der Langzeitbetrachtung mit zentraler Gleichverteilung.
Der abgleitende Prozess

Fall D: Der abgleitende Prozess mit Drift außerhalb der Toleranzgrenzen

  • Die Mittelwerte bleiben tlw. in den vorgesehenen Grenzen, driften aber.
  • Drift für Teilabschnitte so stark, dass Eingriffsgrenzen verletzt werden.

Fall E: Prozess, dessen Streuung zu einem Überschreiten der Toleranzgrenzen führt

  • Die Mittelwerte konstant auf dem Prozessmittelwert.
  • Zu große Streuung, dadurch Verletzung der Toleranzgrenzen.

Fall F: Prozess innerhalb der Toleranzgrenzen mit variierender Streuung

  • Messgröße bleibt innerhalb der Toleranzgrenzen.
  • Mittelwert streut.
  • Die Streuung/Standardabweichung verhält sich nicht konstant.
  • Verhalten weist auf eine nicht kontrollierbare Störgröße hin.

Fall G: Prozess mit nicht konstantem Mittelwert und Verteilungskurve

  • Mittelwerte streuen stark.
  • Streuung/Standardabweichung ist nicht konstant.
  • Qualitative Veränderung der Verteilungskurve.
  • ±3σ der Messgröße gerät außerhalb der Toleranzgrenzen.