Was ist Lokale und globale Standortwahl?

Zuletzt aktualisiert: 21.07.2022

Die entscheidende Triebfeder bei der Standortwahl für Produktions- oder Handelsunternehmen ist die Entwicklung der Märkte. Jedes Unternehmen will vom Wachstum lokaler Märkte profitieren und neue Absatzmöglichkeiten erschließen. Der gesamte Weltmarkt soll abgedeckt werden; deshalb stellen die Unternehmen sich vermehrt global auf. Hierzu muss der zu Grunde liegende Markt abgeschätzt und analysiert werden. Auslandsinvestitionen sind gründlich zu planen und zu bewerten.

Die Entwicklung kompletter Branchen und das Wachstum einzelner Produktsegmente lassen sich gut und strukturiert analysieren, um hier die Abhängigkeiten und den Vergleich auf Länderebene erstaunlich gut zu bewerten.

Die Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie mit ihrem Markteintritt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und mit der richtigen Strategie agieren, um das Geschäft mit Engangement zu implementieren und auszubauen. 

Hier ein kurzer Rückblick auf das Marktwachstum, die Industrialisierung und den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft:

In den Jahren von 1930 bis ungefähr 1970 vollzog sich in Nordamerika, Westeuropa und Japan, einem Wirtschaftsraum mit 500 Millionen Einwohnern, die Industrialisierung. 

Seit den 1970er Jahren entwickelten sich in den industriell geprägten Ländern stabile und oligopolistische Märkte. Eine neue Dynamik entwickelt sich seit ungefähr Mitte der 1990er Jahren aufgrund des starken Wachstums in Indien und China mit einem Markt, der ungefähr 3.000 Millionen Einwohner stark ist. 

Diese Länder erscheinen als Absatzmärkte besonders attraktiv. Der Druck, der damit auf die großen Unternehmen hinsichtlich der Markterschließung ausgeübt wird, erklärt sich folgendermaßen: Investitionen in diese Regionen sind notwendig, um im Wettbewerb bestehen zu können, jedoch sind gerade bei den vermeintlich attraktiven Standorten wie Indien und China die mittelfristigen Gewinnaussichten eher gering. Die Wachstumsraten in den Industrieländern sind bei der Betrachtung der absoluten Zahlen immer noch gut. Beträchtliche Zuwächse in diesen Ländern können immer noch generiert werden. Ein Beispiel: Die Volkswirtschaft der USA war im Jahr 2004 noch siebenmal so groß wie die chinesische. Das Wachstum in den USA beim Bruttoinlandsprodukt wird in den nächsten 20 Jahren noch höher sein als in China. Das bedeutet, die USA sind weiterhin ein attraktiver Markt; einzuschränken ist, dass dies nicht für Produktionsunternehmen gilt. 

Das hohe gesamtwirtschaftliche Wachstum in den Schwellenländern Asiens und deren sich entwickelnder Volkswirtschaft ist darauf zurückzuführen, dass in diesen Ländern die Nachfrage nach einfachen Gebrauchsgütern deutlich höher anzusiedeln ist als in voll entwickelten Ländern wie USA, Westeuropa oder Japan.

Das Fazit aus diesen beiden Aussagen a) die USA bietet noch immer einen attraktiven Markt im Bereich Dienstleistungen und b) der asiatische Markt ist äußerst attraktiv hinsichtlich Gebrauchsgütern und Produktionsanlagen, macht schnell klar, wie wichtig die Auswahl der lokalen und globalen Standorte ist und welche analytischen Betrachtungen notwendig sind, um für jedes einzelne Unternehmen und jedes einzelne Produkt den richtigen Standort zu identifizieren.

Welche wichtigen Grundbegriffe sollten man kennen?

Die beiden Hauptmotive für die lokale und globale Standortwahl sind zum einen Markterschließung am zukünftigen Standort und die Produktionskostensenkung. Für die Standortwahl eines Produktionsunternehmens sind neben der Nähe zum Markt noch weitere Standortfaktoren wie Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal und die anfallenden Arbeitskosten relevant. 

Als Standort wird der Sitz eines Unternehmens, einer Betriebsstätte oder einer Handelsfiliale bezeichnet.

Die Standortfaktoren sind die ausschlaggebenden Merkmale eines potenziellen Standortes wie zum Beispiel Rohstoffvorkommen, kurze Beschaffungswege für Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe (Eisenerzgewinnung u.a.), sowie der Arbeitsmarkt, da für arbeitsintensive Betriebe das Arbeitskräfteangebot, das Ausbildungs- und das Lohnniveau entscheidend sind (Textilverarbeitung u.a.). Auch die Abgabenorientierung – sowohl die internationalen aber auch nationalen Steuerunterschiede (Bsp. Hebesätze bei der Gewerbesteuer) – beeinflusst maßgeblich die Standortwahl. Ferner benötigen die Unternehmen am Standort eine einsprechende Infrastruktur für ihr Vorhaben. Das bedeutet gute Verkehrsanbindung ausgerichtet an allen benötigten Haupt-Verkehrsträgern (Luft, See, Bahn, Straße, Pipeline), jedoch auch für die Personalrekrutierung und die Erreichbarkeit für Lieferanten, Kunden und Geschäftspartner. Ein weiterer Punkt sind die Umweltauflagen, zum Beispiel bei Betrieben mit hoher Lärm- oder Geruchsbelästigung oder auch für Betriebe mit hoher Risikobelastung für die gesamte Region (Explosion, Radioaktivität). Hinzu kommt noch die Gestaltung des Absatzmarktes, bei dem für Groß- und Einzelhandelsunternehmen und/oder Dienstleistungsunternehmen entscheidend ist, dass die Nähe zum Endverbraucher gewährleistet ist. Bei der Wahl von internationalen und globalen Standorten spielt das politische Umfeld mit einer gewissen Stabilität ebenfalls eine bedeutende Rolle. Das Länderrisiko ist somit ein weiterer Standortfaktor. 

Die volkswirtschaftliche Standorttheorie behandelt die Erforschung und Beschreibung der Bestimmungsgründe für die Wahl des Standortes vor allem der Unternehmen, aber auch der privaten Haushalte. Für die Unternehmen sind das u.a. die Nähe zu Absatz-, Rohstoff- und Faktormärkten, Energiequellen und allen anderen Punkten wie oben beschrieben. Standortentscheidungen in privaten Haushalten werden unter anderem von der regional unterschiedlichen Verteilung von Erwerbschancen, sowie Bildungs-, Kultur- und Verkehrs- sowie anderen infrastrukturellen Gegebenheiten bestimmt.

Die Standorttheorie zur Ermittlung der kostenminimalen Standortwahl für Industrieunternehmen beruht auf Alfred Weber. Die Standorttheorie nach Weber geht von festgelegten Annahmen aus: Für den Betrachtungszeitraum werden homogene Standortfaktoren angenommen. Ein Standortfaktor ist nach Weber als ein seiner Art nach scharf abgegrenzter Vorteil zu verstehen, der für eine wirtschaftliche Tätigkeit eintritt, wenn sie an einem bestimmten Standort stattfindet. Weber ermittelt mit Hilfe der Standorttheorie räumliche Eigenschaften, die die Standortwahl von Industrieunternehmen beeinflussen, da die optimale Standortwahl eines Unternehmens immer in Abhängigkeit zu den räumlichen Standortfaktoren steht.

Was bedeutet Standortplanung?

Bei der Standortplanung wird der betriebliche Standort als geeigneter Standort unter Berücksichtigung relevanter Kriterien bestimmt. Diese Kriterien sind als Standortfaktoren bereits beschrieben.

In der Standortplanung gibt es die monetäre Bewertbarkeit von Standorten. Hier wird nach quantitativen (monetär bewertbaren) und qualitativen (nicht monetär bewertbaren) Standortfaktoren unterschieden.

Quantitative Faktoren sind zum Beispiel das Lohnniveau, die Transportkosten, Grundstückspreise, Steuern, Abgaben und so weiter. Qualitative Faktoren sind die Arbeitskräfteverfügbarkeit, Zusammenarbeit mit Verwaltung und anderen Behörden, Wohn- und Freizeitwert und anderes.

Im Bereich der räumlichen Eingrenzung kommen wir von der weltweiten (internationalen) Standortwahl, der Auswahl des Kontinents, einer Freihandelszone oder eines Landes zur nationalen (oder landesweiten) Standortwahl. Von dort wird die Stadt oder Region innerhalb eines Landes gewählt und danach geht man in die lokale (regionale) Standortauswahl über. Das bedeutet, es wird ein konkreter Standort in einer Stadt oder einer Region ausgewählt und bis auf das Grundstück heruntergebrochen.

Zu unterscheiden ist von der betrieblichen Standortplanung die innerbetriebliche Standortplanung oder Layout Planung.

Vorgehensweise bei der Standortplanung
Vorgehensweise bei der Standortplanung

Was ist Projektdurchführung?

Die Wahl eines Standorts beschreibt ein Lokalisationsproblem: Für Unternehmen verursachen Standortentscheidungen Kosten und tragen im wesentlichen Maße zum Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens bei. Aus Sicht der Investoren kann eine einmal getroffene Standortentscheidung so gut wie nicht mehr – oder nur mit erheblichen Kosten – revidiert werden. Die Auswahl eines geeigneten Standorts ist deshalb von besonderer Bedeutung. Sie erfolgt aufgrund der räumlichen Heterogenität von Standortfaktoren. Maßgebliche Einflussgrößen der Standortwahl werden Standortfaktoren genannt. Die klassische Definition von Weber bezeichnet einen Standortfaktor als „einen seiner Art nach scharf abgegrenzten Kostenvorteil, der einen Industrieprozess hierhin oder dorthin zieht“. Dies impliziert, dass sich Unternehmen an dem Ort ansiedeln, der eine für sie vorteilhafte Ausprägung von Standortfaktoren, also Standortvorteile, aufweisen kann.

Im Zuge der Organisation der Standortsuche ist darüber zu entscheiden, wer im Unternehmen mit den anstehenden Arbeiten betraut werden soll. Während die Zuständigkeit und Verantwortung der Entscheidungen in den Unternehmen im Management angesiedelt ist, werden mit den entscheidungsvorbereitenden Tätigkeiten auch andere Unternehmenseinheiten beauftragt. Dabei handelt es sich beispielsweise um Projektteams, die sich interdisziplinär zusammensetzen. Wichtigstes Zusammensetzungs-Kriterium einer solchen Projektgruppe ist die persönliche sowie einzelproblemspezifische Kompetenz der Projektmitglieder. Dies kann im Projektverlauf dazu führen, dass Teile des Projektteams für einzelne Ausarbeitungsschritte ausgetauscht werden.

Was ist die Grobkonzeption der Standortstruktur?

Vor der Entscheidung für einen Standort müssen viele unterschiedliche Faktoren geprüft werden:

1. Einflussfaktoren der Beschaffungsmärkte

Hierzu gehören das Grundstück oder die Gebäude (Höhe des Kaufpreises oder der Miete, bauliche Substanz, Erweiterungsmöglichkeiten), der vorherrschende Markt für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe bzw. Handelswaren (Lieferantennähe), der Arbeitsmarkt (Mitarbeiterpotenzial, Eignungs- / Ausbildungsstand, Entgeltniveau), der Energiemarkt (Versorgung, Entsorgung) und die Verkehrsanbindung (Straße / Bahn) sowie Transportkosten.

2. Einflussgrößen der Absatzmärkte

Zu den Einflussgrößen des Absatzmarktes zählen zum Beispiel das Absatzpotenzial (Einzugsgebiet, Lage des Standortes und Umfeld, Arbeitnehmerstruktur, Bevölkerungsdichte, Bedarf, Kaufkraft, Wettbewerber), der Absatztransport und die Infrastruktur (Kosten und Zeit).

3. Einflussgrößen staatlicher Rahmenbedingungen

Hierzu zählen Abgaben, Steuern, Gebühren, Beiträge, Zölle, Auflagen und Beschränkungen (Gewerbeaufsichtsvorschriften, Umweltschutzvorschriften) sowie mögliche staatliche Förderung, Subventionen (Zulagen, Zuschüsse, zinsgünstige Kredite), die Rechts- und Wirtschaftsordnung (Ausgestaltung der Unternehmensverfassung, Eigentümerrechte, Mitbestimmung) sowie Maßgaben des Umweltschutzes.

Das benötigte Datenmaterial zur Standortanalyse besteht zum großen Teil aus demographischen Daten. Durch die Sammlung und die Aufbereitung der Daten bekommt man einen Überblick über die strukturellen Gegebenheiten des zukünftigen Einzugsgebietes eines Unternehmens und somit Auskünfte über die Kaufkraft und die Einkaufsgewohnheiten der Kunden.

Die Daten sind auf verschiedenen Wegen zu erhalten, zum Beispiel durch das Statistische Bundesamt, das Landesamt für Statistik, Wirtschaftsfördergesellschaften und Ämter für Wirtschaftsförderung.

Die Entscheidung für den richtigen Standort beinhaltet nicht nur betriebswirtschaftliche Überlegungen. Hier können auch bauplanungs- und bauordnungsrechtliche Fragen von Bedeutung sein.

Eine wichtige Bestimmung ist die Baunutzungsverordnung. In dieser Verordnung wird die Zulässigkeit von Vorhaben geregelt. Die für die Bebauung vorgesehenen Flächen werden nach der Art ihrer baulichen Nutzung dargestellt.

Bei der Standortwahl in Deutschland hat das Bundes-Emissionsschutzgesetz einen wesentlichen Einfluss auf die Standortwahl. Die Arbeitsstättenverordnung und Arbeitsstättenrichtlinien sind grundsätzlich immer zu beachten. Bei der Standortwahl im Ausland gelten die dortigen gesetzlichen Bestimmungen analog.

Aus all diesen Entscheidungskriterien stellt man ein Pflichten- oder Anforderungsheft (=Kriterienkatalog) zusammen, das die für die Standortwahl eines Unternehmens wichtigsten Punkte beinhaltet. Die in dem Pflichtenheft aufgeführten Kriterien werden festgelegt und gewichtet, dann werden sie zueinander ins Verhältnis gesetzt. Davon ausgehend lassen sich dann Rangfolgen (Standort-Rankings) erstellen. Zusätzlich zu den Rankings spielen aber auch weiche Faktoren wie das unternehmerische Gespür und die vor Ort gewonnenen persönlichen Eindrücke eine wichtige Rolle.

Reihenfolge der Auswahl des Standortes
Reihenfolge der Auswahl des Standortes

Wie die obige Abbildung zeigt, erfolgt die Entscheidung über die Wahl eines neuen Standorts vom Allgemeinen zu immer feineren Alternativen, d.h., von der globalen Standortwahl (national oder international) über die interlokale und die lokale Standortwahl bis hin zur innerbetrieblichen Standortwahl.

Was ist die Bewertung der Lösungsalternativen?

Bei Standortentscheidungen handelt es sich um komplexe und anspruchsvolle betriebliche Aufgaben. Verglichen mit anderen betrieblichen Entscheidungen wird hierfür relativ viel Zeit (das heißt unter Umständen mehrere Jahre) benötigt. Neben dem bestehenden hohen Informations- und Bewertungsbedarf ist ein feingliedriger Prozesscharakter zu beachten. Dabei gilt es in der einschlägigen Literatur als unbestritten, dass sich Standortentscheidungsprozesse – trotz auftretender Unterschiede – in prototypische Phasen einteilen lassen.

Am Anfang steht die sog. Konzept- oder Identifikationsphase. Hier werden die spezifische Problemstellung und die definierten Ziele, Motive und Strategien für die Standortsuche und -bewertung formuliert. Das ist die Festlegung der Standortstrategie. Daraus leitet sich in der Regel auch bereits der geographische Suchraum – das heißt, eine Anzahl adäquat erscheinender Länder oder Regionen, die im Weiteren in Betracht gezogen werden – ab (Standortsuchräume).

Anschließend findet die Entwicklungs- und Bewertungsphase statt. Dabei werden die Rahmenbedingungen von möglichen Standorten verglichen. Diese Informationen werden anhand ausgewählter Methoden ins Verhältnis zueinander gesetzt und im Hinblick auf die Anforderungen des Unternehmens bewertet. Sukzessive folgen Bewertungsphasen wie Länder-, Regionen-, Kommunen- und Grundstücksbewertung. In der Entscheidungs- und Realisierungsphase wird eine endgültige Auswahl getroffen.

Auch aufgrund oftmals langwieriger Umsetzungsprozesse werden unter Umständen noch mehrere Jahre bis zum Betriebsstart am neuen Standort vergehen. Ein mögliches Motiv für die Standortwahl ist auch die Erlangung oder (häufiger) Sicherung von „Herkunftsvorteilen“ (zum Beispiel Made-in-Germany).