Was ist Internationales Projektmanagement?

Zuletzt aktualisiert: 20.07.2022

Die Internationalisierung der Unternehmen und der Märkte führt seit ein paar Jahren dazu, dass nur noch Mitarbeiter und Manager für Auslandseinsätze und -aufenthalte in Frage kommen, die über interkulturelle Kompetenz verfügen, denn sie gilt als Voraussetzung für ein erfolgreiches Miteinander von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Und auch innerhalb der Unternehmen werden wichtige internationale Schnittstellen nur noch mit Personen besetzt, die das Rüstzeug für einen erfolgreichen Umgang mit Menschen anderer Kulturen besitzen.

Projekte mit interkulturellen Begegnungen innerhalb des Projektteams zielführend und für beide Seiten zufriedenstellend zu gestalten bedarf vielschichtiger Voraussetzungen. Das Erlernen der jeweiligen Fremdsprache und sich über Land und Leute, Sitten und Brauchtum, Geschichte und Politik, Geografie und Klima zu informieren, reicht nicht mehr aus.

Es werden Projektmanager im internationalen Umgang gesucht, die sich auf ihre Gesprächspartner einstellen können und dafür die geistigen, interaktiven und kommunikativen Fähigkeiten mitbringen oder sich diese aneignen. 

Wichtig ist es, die Kommunikations- und Verhaltensregeln des Gegenübers zu kennen und das eigene Verhalten teilweise darauf abzustimmen, nicht aber sich dem anderen vollständig anzupassen.

Welche kulturelle Unterschiede im Projektmanagement gibt es?

Umfragen des Instituts der Deutschen Wirtschaft im Jahre 2000-2020 in 775 Betrieben und mit 1,6 Mio. haben gezeigt, dass interkulturelle Kompetenzen für Führungskräfte, die im Ausland oder mit multikulturellen Teams arbeiten, wichtig sind. Der Auszug aus den Ergebnissen, aufgeführt nach Priorität, macht dies deutlich:

Fähigkeit/KenntnisseRelevanz in %
Englischkenntnisse54
Toleranz und Anpassungsfähigkeit gegenüber anderen Kulturen37
Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen34
Kenntnisse internationaler Geschäftspraktiken29
Denken in internationalen/globalen Bezügen27
Fähigkeit in internationalen Teams zu arbeiten27
Globales Denken ist Trumpf

Neben sehr guten Sprachkenntnissen sind im arbeitsrelevanten Umfeld Fähigkeiten und Kenntnisse im Zusammenhang mit interkultureller Kompetenz gefordert, so auch in der internationalen Projektarbeit. Einigkeit herrscht insbesondere auch darin, dass für eine erfolgreiche Projektarbeit im interkulturellen Umfeld Ruhe, Gelassenheit, Warmherzigkeit und konstruktives Handeln förderlich sind.

Das Vorhandensein von kulturellen Unterschieden hat für uns Konsequenzen im Umgang mit Menschen des eigenen Kulturkreises, aber erst recht für die Begegnung mit Menschen aus anderen, fremden Kulturen. Beispielsweise gehen wir mit unseren Werten um, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Das Verhalten anderer Menschen beurteilen und interpretieren wir unter Berufung auf unser Wertesystem und werten es als Ausdruck der Werte das Anderen.

Im Allgemeinen bedeutet dies: treffen Kulturen zusammen, kommt es nicht selten zur Kollision, da im direkten Umgang mit anderen Menschen Worte und Gesten unterschiedlich, wenn nicht sogar gegensätzlich, interpretiert werden. Sowohl wir, als auch unsere anderskulturellen Partner sehen unsere Umwelt, unsere Mitmenschen und uns selbst durch die Brille der eigenen kulturellen Prägung.

Damit wir mit Mitgliedern anderer Kulturen besser umgehen können und einander verstehen, ist es notwendig, kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Begriffe zu fassen, die einen nahezu objektiven Vergleich möglich machen. Diese Begriffe werden als Kulturstandards bezeichnet.

Welche Kulturstandards gibt es?

Unter Kulturstandards werden alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns verstanden, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich und andere als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden. Somit dienen Kulturstandards der Beurteilung des eigenen Verhaltens und des Verhaltens von Fremden. 

Dem einzelnen Mitglied einer Gesellschaft bzw. Kultur sind diese Kulturstandards oft nicht bewusst, solange er sich innerhalb seiner Kultur bewegt, da sie ihm auf Grund seiner Sozialisation selbstverständlich sind. Auch sind die Toleranzgrenzen für bestimmte Verhaltensweisen verschieden groß, sodass man nicht zwingend an Grenzen stoßen muss. Ein Verhalten und auch Einstellungen außerhalb dieses Toleranzbereichs werden von der Gesellschaft abgelehnt und teilweise sogar sanktioniert. Erst beim Treffen auf andere Kulturen werden Unterschiede sicht- und spürbar. 

Gruppen, Gesellschaften oder Kulturen haben unterschiedliche Ansätze, die universellen Probleme der Menschheit zu lösen. Im Wesentlichen gibt es drei große Problemstellungen:

  • Beziehung der Menschen untereinander
  • Beziehung zur Zeit und ihr Umgang mit ihr
  • Beziehung zum Raum 

Was sind Individualismus und Kollektivismus?

Individualismus ist das vorrangige Prinzip sozialen Umgangs in einer Gesellschaft, in der die sozialen Bindungen zwischen Individuen eher locker sind. Kollektivismus hingegen beschreibt eine Gesellschaft, in der die Menschen von Geburt in starke, zusammenhaltende Gruppen oder Familienverbände integriert sind.

Das soziale Bindungskonzept beeinflusst ebenfalls das Verhalten der Projektmitglieder. Ist die soziale Struktur der Teammitglieder kollektiv ausgeprägt, möchten diese Sachverhalte solange diskutieren, bis ein Konsens gefunden wurde. Danach entscheidet die Gruppe gemeinsam. Das Wohl der Gruppe steht über dem des Einzelnen, man nimmt sich selbst zurück.

Kollegen aus individuell geprägten Strukturen hingegen schätzen die Diskussion, möchten aber, dass ein Einzelner entscheidet, nämlich der Projektleiter. Bei den Diskussionen ist es für sie wichtiger, ihre eigenen Ziele zu erreichen, als die der Gruppe. Kompromisse eingehen zu müssen empfinden sie oft als Niederlage.

Der Projektleiter steht hier vor der Herausforderung, immer wieder den Nutzen der Zielerreichung sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gruppe so darzustellen, dass sich die Mitarbeit für alle lohnt. Bei Diskussionen empfiehlt es sich, die Zeit zur Entscheidungsfindung großzügig zu bemessen, ohne die Diskussion ausufern zu lassen. Sind alle Argumente vorgebracht und in der Gruppe abgewogen, kann eine rasche und klare Entscheidung erfolgen, die in dieser Teamzusammensetzung der Teamleiter trifft. 

Was ist Machtdistanz?

Die freiwillige Akzeptanz der Autorität des Projektleiters wird beispielsweise von der kulturellen Dimension der Machtdistanz beeinflusst. Teammitglieder aus Kulturen mit großer Machtdistanz erkennen den Projektleiter als „Boss“ an, sie ordnen sich seinen Wünschen unter und erwarten nicht, dass man sie nach ihre Meinung fragt. Allerdings erwarten sie von einem „Leader“, dass er die Aufgaben verteilt und klare Anweisungen gibt. Eigeninitiative und Eigenverantwortung werden nicht übernommen.

Ihre Kollegen aus Kulturen mit geringer Machtdistanz erwarten etwas anderes von ihrem Vorgesetzten. Sie möchten ihre Meinung kundtun und gefragt werden. Sie sehen im Projektleiter denjenigen, der die Fäden in der Hand hält, sich selbst sehen sie fast auf Augenhöhe mit ihm, die Hierarchie ist nahezu „in einer Linie“. Dafür übernehmen sie von selbst Verantwortung.

Für den Projektleiter eines solchen Teams bedeutet dies, die Balance zu finden, um einerseits genügend Raum für Mitsprache zu geben, alle immer wieder dazu aufzufordern und andererseits klare direkte Anweisungen zu geben, Aufgaben und Verantwortungen zuzuteilen. Wichtig ist, dass sich die Mitglieder mit hoher Machtdistanz nicht alleingelassen fühlen oder durch den erweiterten Freiraum überfordert und die Mitglieder mit geringer Machtdistanz trotz möglicher Einengung nicht die Motivation verlieren.

Was ist Risikobereitschaft?

Menschen unterscheiden sich auch durch ihren Umgang mit Unsicherheit und Risikobereitschaft (Hofstede & Hofstede, 2006). Unsicherheitsvermeidung ist der Grad, bis zu dem sich die Menschen, die einer Kultur angehören, durch ungewisse oder unbekannte neue Situationen und Fragestellungen bedroht fühlen. 

Ein großes Bedürfnis nach Unsicherheitsvermeidung heißt, es ist nur eine geringe Risikobereitschaft vorhanden; neue unbekannte Situationen wirken bedrohlich, alles Fremde ist tendenziell gefährlich, alles was anders ist, macht unsicher.

Es besteht ein Gefühl und ein Bedürfnis nach strengen Regeln, auch wenn deren Sinnhaftigkeit bezweifelt werden kann. Die Angst vor nicht eindeutigen Situationen und unbekannten Risiken führt zu Aggressionen, die auch ausgelebt werden.

Was sind geschlechtsspezifische Eigenschaften?

Ein Maß, welches die Vorstellung des Einzelnen von den typischen geschlechtsspezifischen Eigenschaften beschreiben soll ist die Maskulinität und die Femininität (Hofstede & Hofstede, 2006).

In maskulinen Gesellschaften sind die Rollen der Geschlechter klar gegeneinander abgegrenzt, Männer haben bestimmt und hart zu sein, materiell orientiert und nach einem hohen Verdienst zu streben, Titel und Karriere sind ihnen vorbehalten.

Frauen sollen bescheiden und zurückhaltend sein, sie ordnen sich dem Mann unter. Sie sind sensibel im Umgang mit den Bedürfnissen anderer, sie kümmern sich um andere und legen Wert auf Lebensqualität.

In femininen Gesellschaften überschneiden sich die Rollen der Geschlechter, Frauen und Männer sind gleichberechtigt in ihren Aufgaben und Verantwortungen.

Was ist Zeitverständnis?

Der unterschiedliche Umgang mit Terminen und das zugrunde liegende Zeitverständnis können den Projektverlauf deutlich beeinflussen. Für Teammitglieder mit monochronem Zeitverständnis ist Zeit Geld. Sie arbeiten die geplanten, ihnen übertragenen Aufgaben in der vorgegebenen Zeit hintereinander ab. Für die Planung der eigenen Arbeit ist der Terminkalender maßgebend.

Meetings sind dazu da, um die wesentlichen und wichtigen Punkte und Themen konzentriert und zielorientiert zu bearbeiten. In der Abfolge der Themen fühlt man sich an die Agenda gebunden. Die persönlichen Bedürfnisse der Einzelnen, sowie eine persönlichere Beziehung zum Teampartner interessieren nicht. 

Werden Herangehensweisen an Problemstellungen oder Arbeitsabläufe modifiziert, so ist dies ohne große Übergangszeit möglich. Man kann sich schnell umstellen und eine gewünschte Veränderung erreichen.

Projektmitglieder, die die Zeit polychronisch verstehen, für die ist Zeit Gold statt Geld. Die gestellten Aufgaben werden parallel bearbeitet, wobei die Termineinhaltung eher schwierig ist. In der Planung der eigenen Arbeitsabläufe ist man sehr flexibel, Prioritäten werden öfters neu vergeben.

In Meetings ist ein Festhalten an eine vergebene Agenda schwierig, die Bedürfnisse der einzelnen Teammitglieder sind wichtiger und werden gerne in den Vordergrund gestellt, da man an einer Beziehung zu den anderen Gruppenmitgliedern interessiert ist.

Aufgabenstellungen oder Rollen innerhalb des Teams kurzfristig zu ändern ist schwer möglich, die Umstellung auf Neues braucht Zeit.

Für den Projektleiter bedeutet dies in der Planung und Terminvergabe entsprechend Puffer einzubauen, damit die Endtermine gehalten werden können.

Er muss immer wieder die Wichtigkeit des Projektes und der Arbeit für sich und für andere betonen, um alle motiviert auf das Thema zu fokussieren. Ablenkungen sollte er zeitnah begegnen, da ihm sonst die monochronistischen Teammitglieder abspringen.

Was sind Kommunikation und Information?

Betrachtet man den Kommunikations- und Informationsstil der Kulturen ergeben sich ebenfalls Unterschiede. Mitglieder im Team, die aus einer individualistischen Kultur kommen, stellen in ihrer Kommunikation gerne die Sache in den Mittelpunkt. Ihre Sprache ist, offen, direkt und sachbezogen, sie wollen eine Sache „rüberbringen“ und „meinen, was sie sagen“. Informationen werden kurz und klar weitergegeben und auf objektive Fakten reduziert. Konflikte werden offen ausgetragen und gelöst. Sie wirken in ihrem Sprachstil dynamisch und zupackend.

Die kollektiv ausgerichteten Teamkollegen stellen die Person in den Mittelpunkt, ihre Sprache ist höflich und indirekt. Sie möchten zu ihrem Gegenüber eine Beziehung aufbauen und „meinen das, was der andere in der Lage ist zu verstehen“. Informationen werden im Kontext der Umstände weitergegeben und Konflikte diplomatisch bereinigt. Der Sprachstil wirkt eher ruhig und abwartend.

Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten erfolgreich zu gestalten, ist die schwierigste Aufgabe des Projektleiters. Von ihrem Gelingen hängt der Erfolg des Projektes ab. Hat man Mitglieder beider Ausprägungen im Team, so ist eine regelmäßige aktive Kommunikation mit allen Pflicht. Hierbei sollte es sich immer um eine Zwei-Wege-Kommunikation, einen Dialog, handeln, das bedeutet, dass Feedback-Schlaufen in beide Richtungen berücksichtigt werden müssen.

Austausch und Verständnis für den jeweiligen Anderen sichert den Erfolg des Projektes, denn auch die möglichen Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit auf Grund der vorgenannten kulturellen Einflussgrößen können nur über Kommunikation ausgeräumt werden.

Je mehr sich die Zugehörigen zwei unterschiedlicher Kulturen in den aufgeführten Dimensionen unterscheiden, umso eher fühlen sie sich fremd. Bei einer nur leichten Ausprägung von Gegensätzlichkeit kann daraus durchaus eine gewisse Neugierde werden und es kann zu einem Annäherungsversuch kommen. Bei starker ausgeprägter Unterschiedlichkeit herrschen eher Gefühle wie Angst, Verunsicherung und Ablehnung. Es kann sogar zu einem regelrechten Fluchtverhalten kommen.

Die vorgestellten kulturellen Grundeigenschaften spielen auch in Projektteams eine nicht unerhebliche Rolle für das Gelingen gemeinsamer Arbeit. Für den Projektleiter wird im Vorfeld eines Projektes zu klären sein, welche kulturellen motivierten Verhaltensweisen die Projektarbeit nachhaltig beeinflussen können und welche Konsequenzen diese haben. 

Was sind Kommunikation und Verhalten?

In unserem Alltag verläuft Kommunikation scheinbar selbstverständlich und auch meist unproblematisch (2). Erst Missverständnisse und Misserfolge, deren Grund man in der Kommunikation vermutet oder mit dieser in Zusammenhang bringt, führen zu einer gezielten Thematisierung von Kommunikationsverhalten. Jetzt wird hinterfragt, wie Kommunikation abläuft, welche Kriterien für erfolgreiche Kommunikation es gibt und ob sich konkrete Handlungsanweisungen ableiten lassen.

Die menschliche Kommunikation ist prinzipiell einfach zu erklären. Es gibt einen Sender, der seine Nachricht in spezifischen, jedoch erkennbaren Zeichen verschickt, er codiert sie. Der Empfänger entschlüsselt diesen Code innerhalb seiner Möglichkeiten und es findet eine gewisse Verständigung statt, sofern der Empfänger die gleichen Codes im Repertoire hat. Nun können Sender und Empfänger auch die Qualität der Verständigung überprüfen, indem der Empfänger zurückmeldet, wie er die Nachricht entschlüsselt hat, also wie sie bei ihm angekommen ist und was sie bei ihm angerichtet hat. Damit kann der Sender überprüfen, ob seine Sende-Absicht mit dem Empfangs-Resultat übereinstimmt. Eine solche Rückmeldung heißt auch Feedback.

Sender-Empfänger-Modell
Sender-Empfänger-Modell

Welche Ebenen der Kommunikation gibt es?

Manchmal können Informationen nicht verbal kommuniziert werden, da man z. B. die Landessprache nicht spricht. Und so versucht man durch Gesten beim Anderen eine Vorstellung in verkörperter Form, also ein Bild, zu erzeugen. Am ehesten beobachtet man dies bei Touristen, die sich nach einem bestimmten Bauwerk erkundigen. 

Ebenso können Emotionen mit Hilfe der Gestik oder der Stimmlage übermittelt werden, welche mit dem rein gesprochenen Wort nicht vermittelt wären. Die kann sowohl absichtlich als auch unabsichtlich geschehen kann. Menschen sind in erster Linie emotional und dies gilt auch für die Kommunikation. Sie ist daher weder objektiv noch neutral. Die Sinnesorgane dienen der Aufnahme der Informationen, das Gehirn wird zu deren Verarbeitung benutzt. Dabei ist jede Information immer auch mit Erinnerungen, Erfahrungen, Gefühlen und Werten verbunden und somit auch mit unserem kulturellen Hintergrund. Diese ganz persönlichen Anteile des Einzelnen bestimmen, wie er Informationen aufnimmt, wie er denkt und wie er handelt.

Menschen kommunizieren immer und ständig und überall. „Man kann nicht nicht kommunizieren“ sagt Paul Watzlawick (3). Die bewussteste Kommunikationsform ist die verbale, sie ist jedoch nicht die einzige. Im Allgemeinen unterscheidet man die folgenden vier verschiedenen Ebenen der Kommunikation:

Was ist Verbale Kommunikation?

In der verbalen Kommunikation zwischen Personen kann es aus verschiedenen Gründen zu Missverständnissen kommen, im einfachsten Fall verwenden Kommunikationspartner nicht denselben Wortschatz und verstehen demzufolge die Sprache des anderen nicht in dem erforderlichen Maße. 

Kulturspezifische Kommunikation drückt sich auch in sprachlichen Äußerungen aus, z.B. Feststellungen, Aufforderungen, Behauptungen, Versprechungen, Angebote, Lob und Kritik. Dabei variiert je nach Kultur die Häufigkeit.

Was ist para-verbale Kommunikation?

Unterschiede in der para-verbalen Kommunikation (4) sind ebenso schwer zu identifizieren wie vielgestaltig. Hierunter fallen zum einen die Typographie, die Interpunktion und auch die Schreibweise. Genauso sind unterschiedliche Gewohnheiten bei der Anordnung von Bildelementen innerhalb eines Textes zu beobachten. 

Zur para-verbalen Kommunikation gehören aber auch der Umgang mit der Lautstärke, der Stimmlage und der Tonhöhe während des Sprechens. Ebenso spielen der Sprechrhythmus, die Häufigkeit und Platzierung von Pausen oder die Sprechgeschwindigkeit des Redners eine Rolle.

Was ist non-verbale Kommunikation?

Die Wurzeln menschlicher Kommunikation liegen im nichtsprachlichen Verhalten, dem Gesichtsausdruck und in der Körpersprache. Die nonverbale Kommunikation (4) ist die älteste Form zwischenmenschlicher Verständigung und war erfolgreich – lange bevor der Mensch das erste Wort geäußert hat.

Mit Mimik und Gestik zeigen wir unsere Gefühle, die Stimmung zwischen Bedürfnis und Befriedigung. Menschliches Sozialverhalten ist nicht ohne Berücksichtigung des nonverbalen Systems zu verstehen ist. Der menschliche Körper spricht auch dann, wenn die Menschen nicht verbal kommunizieren. Er ist niemals stumm und der Eindruck, den die Körpersprache macht, ist oft sehr mächtig.

Der Mensch drückt mit seiner Mimik Emotionen aus und da es sich dabei um genetische Dispositionen handelt, könnte man meinen, dass Gefühle relativ kulturunabhängig sind. Kulturell geprägte „Emotionsregeln“ entscheiden darüber, welche Emotionen in welchen Situationen empfunden und in welcher Weise angemessen geäußert werden. Mimik ist demnach eine sozialisierte Reaktion auf kulturelle Konventionen. 

Was ist extra-verbale Kommunikation?

Kulturspezifische Unterschiede in der extra-verbalen Kommunikation werden im sogenannten Raumverhalten sichtbar. Kulturen haben ein sehr unterschiedliches Verständnis dafür, wo privater Raum beginnt bzw. wo öffentlicher Raum endet. Dies zeigt sich besonders beim körperlichen Abstand zwischen Gesprächspartnern.

Was sind Unterschiede im Kommunikationsverhalten?

Auf Basis der verschiedenen und umfangreichen Aussagen des Kulturdimensionsmodells steht viel Wissen über kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Verfügung. Dieses Wissen gilt es in konkreten Situationen interkultureller Interaktion umzusetzen. Jedes menschliche Verhalten hat einen kommunikativen Charakter und es stellt sich die Frage „gibt es ein der Kultur entsprechendes Kommunikationsverhalten?“

Kommunikation ist hier nicht nur im Sinne eines Informationsaustauschs zu sehen, sondern sie bietet vielmehr eine Grundlage für zwischenmenschliche Beziehungen. Das Besondere einer Kultur, also das, was wir wahrnehmen, was eine Kultur charakterisiert und sie eventuell auch von anderen unterscheidet, ist ein Produkt der Kommunikationsprozesse und Interaktionen zwischen den Beteiligten.

Wie oben dargestellt ist Kommunikation ein Prozess, bei dem ein Sender eine codierte Nachricht über einen Kommunikationskanal an einen Empfänger sendet, der sie entschlüsselt und bestenfalls versteht. Stammen Sender und Empfänger aus unterschiedlichen Kulturen, müssen die kulturspezifischen und sprachspezifischen Codes erlernt werden, damit Austausch entstehen kann. Interkulturelle Kommunikation kommt dann zustande, wenn das Codieren und Decodieren erfolgreich ist.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wirkung einer Botschaft nur zu 7% auf verbaler Kommunikation basiert. Dagegen ist die Art und Weise, wie diese Worte gesagt werden, also die paraverbale Kommunikation bis zu 38% ein Erfolgsgarant und bis zu 55% findet Kommunikation durch Körpersprache und Mimik, also nonverbal statt. Darüber hinaus können kulturspezifische Besonderheiten neben diesen Kommunikationsebenen die Direktheit der Aussagen sowie das Verhältnis von Inhalts- und Beziehungsebene betreffen.

Kommunikation stellt sich also insgesamt in etwa wie folgt dar:

Mittel der Kommunikation
Mittel der Kommunikation

Um die Unterschiede im Kommunikationsverhalten besser erfassen und vergleichen zu können, wurden sie in sogenannte Kulturcluster eingeteilt. Damit lassen sich die Art der Kommunikation der Länder innerhalb eines Clusters und die Cluster zueinander vergleichen. Die aus einer Studie resultierenden Cluster sind

  • Nordic Cluster (Dänemark, Finnland, Schweden, Niederlande)
  • Anglo Cluster (England, Irland, USA, Kanada, Neuseeland, Australien)
  • Germanic Cluster (Deutschland, Österreich, Schweiz)
  • Latin Cluster (Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Israel)
  • Near Eastern Cluster (Griechenland, Türkei)
  • Central und East European Cluster (Polen, Ungarn, Tschechische Republik, Slowenien, Russland, Albanien, Georgien)

Unser Denken und damit unser Kommunizieren bekommt erst durch den Bezug zu unserer individuellen Kultur, den Kontext, einen Sinn. Erst wenn wir auf Personen mit einem anderen kulturellen Kontext treffen, fällt uns unsere eigene Prägung auf.

Sprache ist eines der wichtigsten Kulturgüter, wir benötigen sie, um Begriffe zu bilden, zu denken und haben damit eine Möglichkeit, unsere Erfahrungen einzuordnen. Wir unterscheiden täglich Wichtiges und Unwichtiges mit unserer Sprache und vermitteln unsere Eindrücke von Erlebtem. Wie wir das tun, darüber entscheidet der kulturelle Kontext, er entscheidet über die Kategorien, in die wir unsere Welt einteilen. Unsere Sprache verkörpert damit in erster Linie unsere Weltanschauung. Begegnet man fremden Kulturen mit einer anderen Sprache und anderen Kategorien, fehlen zunächst oft das Verstehen und das Verständnis.

Wie ist der Kommunikationsstil in Westeuropa?

Im Folgenden werden beispielhaft verschiedene Aspekte der beruflichen Kommunikation in Deutschland, England, Frankreich und Spanien einander gegenübergestellt, um sowohl Gemeinsamkeiten wie auch Gegensätze besser zu erkennen.

Obwohl all diese Länder im Westen Europas liegen, gehören Sie zu verschiedenen kulturellen Clustern, was ihren Kommunikationsstil angeht. Deutschland ist Vertreter des germanischen Clusters, Frankreich und Spanien gehören in den Lateinischen (romanischen) Cluster und England ist ein Angehöriger des Anglo-Clusters.

Betrachtet man die Machtdistanz und das soziale Bindungskonzept (1), so stellt man fest, dass in Deutschland eine moderate Machtdistanz herrscht. Die Führungskraft versteht sich eher als strukturierender Moderator, der Teamgedanke ist vorherrschend und die einzelnen Mitglieder nehmen am Entscheidungsprozess teil.

Der soziale Bindungstyp ist der Individualismus, jeder führt selbstbestimmt sein Leben und kümmert sich um seine Familie. Die Ich-Identität ist stark ausgeprägt. Man hält sich an vorgegebene und selbstbestimmte Regeln und Gesetze und bekommt ein schlechtes Gewissen verpflichtet, wenn man sie bricht. In Deutschland herrscht daher eine sogenannte Schuldkultur.

England

Die Machtdistanz in England ist ähnlich wie in Deutschland, die bestehenden Hierarchien werden eher als Rollenverteilung aus praktischen Gründen angesehen. Zudem versteht sich England als Wiege der Demokratie, der Teamgedanke ist außerordentlich wichtig. Der ideale Vorgesetzte ist daher ein einfallsreicher Demokrat, der seine Mitarbeiter in Entscheidungen mit einbezieht.

England gehört zu den individualistisch ausgeprägten Kulturen, jeder kümmert sich um sich selbst und um seine Kernfamilie. Es herrscht eine starke Ich-Identität. Werden Regeln oder Gesetzmäßigkeiten gebrochen führt dies zu Schuldgefühlen, man ist wie in Deutschland seinem Gewissen verpflichtet und lebt in einer Schuldkultur.

Frankreich

In Frankreich ist die Machtdistanz größer als in Deutschland, eine gewisse Ungleichheit und klare Hierarchien werden erwartet und gewünscht. Der ideale Vorgesetzte ist ein wohlwollender Autokrat und seine Mitarbeiter erwarten Anweisungen von ihm.

In diesem kulturell kollektivistisch geprägten Land ist der Grundgedanke der Großfamilien stark vorhanden, dies führt zu einer Wir-Identität. Verstößt man gegen die Regeln, führt dies zu Gesichtsverlust – bei sich selbst und für die Gruppe. Man ist seinem Gesicht verpflichtet und lebt in einer sogenannten Schamkultur.

Spanien

In Spanien ist die Machtdistanz noch ausgeprägter als in Frankreich. Die Spanier sind in eine kollektivistische Kultur eingebunden, die Größe der Familien macht diese Ausprägung sichtbar. Man ist seiner Familie und seinem Clan verpflichtet und hält diese in Ehren, man lebt in einer Schamkultur.

Bei der Begrüßung des Geschäftspartners und den Businessgepflogenheiten trifft man auf folgende Unterschiede:

In Deutschland werden die Geschäftspartner immer mit einem Händedruck begrüßt, der dem Gegenüber eine entschlossene Haltung vermitteln soll. Dabei wird der Vor- und Nachname genannt, ebenso der akademische Titel oder seltener die Position im Unternehmen. Im weiteren Verlauf des Gespräches redet man den Gesprächspartner mit Herr oder Frau an.

Bei Business-Meetings gilt eine korrekte Kleiderordnung. Termine werden normalerweise vorab vereinbart und man erscheint pünktlich. Die deutsche Pünktlichkeit gilt im Ausland als Kardinaltugend. Der Austausch von Visitenkarten ist zu Beginn des Gespräches obligatorisch.

Ein Geschäftsessen findet im Allgemeinen in einem Restaurant statt, meistens mittags. Hierbei kann nach einer kurzen Smalltalk-Phase über geschäftliche Dinge geredet werden. Geschäftsabschlüsse werden gerne auch beim Essen vorbereitet.

Deutsche verhandeln geradlinig und zielorientiert, man möchte das Ergebnis möglichst schnell erreichen.

In England gibt man sich wie in Deutschland zur Begrüßung die Hände. Ausländischen Partnern gibt man beim Erstkontakt immer die Hand. Bei der Vorstellung wird der Familienname ohne Titel genannt. Dieser wird in der Anrede des Gesprächspartners jedoch verwendet. Bei weiteren Treffen redet man sich mit dem Vornamen an.

Bei Businesstreffen ist man äußerst korrekt und eher konservativ gekleidet, die Krawatte legt der Herr niemals ab. Die Termine werden vorher vereinbart und dann pünktlich wahrgenommen, der Austausch von Visitenkarten ist obligatorisch.

Geschäftsessen finden in einem Restaurant statt und die Unterhaltung ist von geistreichem und humorvollem Smalltalk geprägt. Geschäftliches wird nicht besprochen.

Der Verhandlungsstil in England ist ziel- und erfolgsorientiert, einmal Beschlossenes gilt. Nachverhandlungen sind nicht üblich.

In Frankreich wird die schriftliche Korrespondenz in Französisch gehalten, was in Verhandlungen ebenfalls bevorzugt wird. Als sprachliche Alternative wird Englisch eingesetzt.

Bei Geschäftsterminen geht es sehr formell zu, Termine wurden vorher vereinbart. Die Begrüßung ist förmlich, man gibt sich die Hand und spricht das Gegenüber mit Monsieur oder Madame und dem Nachnamen an, wobei Titel genannt werden. Korrekte Business-Kleidung wird erwartet, ebenso der Austausch von Visitenkarten. Von einem deutschen Besucher erwartet man Pünktlichkeit.

Geschäftsessen finden im Allgemeinen im Restaurant statt, während des Essens findet nur Smalltalk statt, Geschäftliches wird üblicherweise beim Kaffee nach dem Essen besprochen.

Entscheidungen zu Geschäftsabschlüssen werden vom „Patron“, dem Geschäftsführer, getroffen, man legt keinen Wert auf einen Konsens innerhalb des Teams. Arbeitsergebnisse entstehen durch persönliche Gespräche, Flexibilität und Kreativität des Einzelnen.

In Spanien wird der Geschäftstermin im Voraus vereinbart, man beachtet dabei, dass zwischen 13:30 – 16.00 Uhr eine allgemeine Mittagspause eingelegt wird.

Im Geschäftsleben ist zur Begrüßung ein Händedruck üblich, man spricht sich mit Nachnamen und Titel an und stellt diesem eine Señor oder Señora voraus. Die Businesskleidung ist stilvoll, korrekt und vor allem lang. Dies gilt für Männer und Frauen.

Mit ausländischen Partnern wird auf Englisch kommuniziert oder in einer der vier spanischen Amtssprachen. In der Geschäftsbeziehung wird auf eine persönliche Beziehung zum Gesprächspartner wert gelegt.

Was ist Kulturwissen – Möglichkeiten und Grenzen?

Es ist ein erster Schritt, sich Wissen über die Eigenheiten und Verhaltensweisen anderer Kulturen anzueignen, ihm sollte jedoch ein zweiter folgen, nämlich die Umsetzung der eigenen Kenntnisse im täglichen Kontakt mit Menschen aus anderen und fremden Kulturbereichen.

In diesem Kapitel soll darauf eingegangen werden, welche Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Interaktionen das Wissen um die Werte und deren Ausprägung das neu erworbene Wissen eröffnen. Kann ein besseres kulturelles Verständnis die eigene Handlungsfähigkeit positiv beeinflussen? Oder werden Kontakte zu Menschen anderer Kulturen womöglich erst aufgenommen, wenn man über interkulturelles Wissen verfügt?

Und wenn es einerseits um neue zielführendere Interaktionen geht, dann stellt sich andererseits die Frage „gibt es auch Nachteile und Gefahren, wenn man nicht über spezifisches kulturelles Wissen und Verhaltenskompetenz verfügt?“

Was sind Verhaltensinterpretation?

Menschen jeden Kulturkreises haben individuelle kulturelle Verhaltensweisen und orientieren sich zumeist an anderen Werten und Regeln als man selbst. Das Wissen darum kann verhindern, dass das Verhalten anderer seltsam oder nicht angebracht erscheint oder man sich gar durch fremd-kulturiges Verhalten anderer beleidigt fühlt. Je konkreter das eigene Kulturwissen ist, desto eher kann man das beobachtete Verhalten des anderen verstehen und versuchen es so zu interpretieren, wie es der Partner aus der anderen Kultur gemeint hat.

Im Kontakt auf interkultureller Ebene ist das Wissen um kulturelle Standards und Dimensionen eine Hilfe zur Orientierung. Wertvoll ist hierbei auch die Kenntnis über Kommunikationsrichtlinien und Verhaltenskonventionen.

Der Umgang mit und das Nutzen von kulturellen Erscheinungsformen, vor allem wenn es unbedacht und unreflektiert geschieht, bringen auch Schwierigkeiten mit sich. Man tut einem Mitglied eines bestimmten Kulturkreises unter Umständen unrecht, wenn man ihn oder sie auf die Merkmale der Gesamtkultur reduziert.

Hierbei wurde nicht bedacht, dass es innerhalb der theoretisch fixierten kulturellen Standards und Dimensionen im praktischen Leben durchaus Spielräume für Abweichungen und Toleranzgrenzen gibt. Man sollte nicht davon ausgehen, dass die kulturellen Ausprägungen einer Gruppe automatisch vollumfänglich für das einzelne Mitglied dieser Kulturgruppe gelten. Dabei lässt man die Individualität der Einzelperson außer Acht und macht sie zum kulturellen Prototyp.

Ferner unterliegen die kulturellen Orientierungssysteme und Reglementierungen auch einer gewissen Veränderung über die Zeit gesehen, sodass die Historie als solche zwar in Betracht gezogen werden muss, jedoch einmal formulierte Kulturstandards nicht für ewig festgeschrieben sind. Die Veränderungen innerhalb der einzelnen Kulturen werden deutlich, wenn man die letzten 20-25 Jahre genauer analysiert. Auf Grund der Globalisierung wachsen Kulturen zusammen und es entstehen neue gemeinsame Werte in dieser neuen kulturellen Beziehung.

Ebenso verändern sich, angestoßen durch einzelne Branchen wie z. B. der IT-Branche, die Machtstrukturen in Gesellschaften. Viele jüngere Menschen kennen sich mit den neuen Medien sehr gut aus und unterstützen Ältere beim Umgang und Verständnis mit ihnen. Hat eine Gesellschaft eine hohe Machtdistanz in der Gesellschaft, so kann dieser Aspekt der realen Veränderung diese Gesellschaft zu einem Überdenken dieses Kulturwertes und zu Reformen ermuntern.

Was ist Handlungskompetenz?

Bei der Anwendung der Kenntnisse über die Eigenheiten verschiedener Kulturen ist es wichtig, dass man die Theorie mit einer gewissen Distanz und durchaus kritisch betrachtet, wie das obige Kapitel zeigt.

Um sich zwischen und mit Mitgliedern anderen Kulturen mit positivem Effekt verhalten zu können, ist es ebenso wichtig, seine eigene Kultur und sein kulturell motiviertes Handeln zu kennen und zu verstehen wie das fremdartige.

Nach Hofstede wird die Kompetenz zur interkulturellen Kommunikation in drei Stufen erlernt:

In der ersten Stufe wird die kulturelle Prägung ins Bewusstsein gebracht.

In der zweiten Stufe werden Kenntnisse und Wissen über kulturell motivierte Praktiken, die Symbole und Rituale der anderen Kulturen erworben und die Unterschiede zu unserer Kultur hervorgehoben.

Die Kenntnisse über verschiedene Kulturen und das kulturelles Bewusstsein führen in Stufe drei zu einem besseren Umgang mit den fremdkulturellen Praktiken.

Bei der Anwendung fremdkultureller Praktiken sollte man jedoch nicht so weit gehen, dass man in die Rolle des anderen schlüpft, denn man wird nie ein vollwertiges Mitglied der fremden Kultur werden. Tauschen beide Partner lediglich die Position, werden dadurch Missverständnisse nicht ausgeräumt. Zudem wird das Potential für eine Weiterentwicklung, das die Gegensätzlichkeit mit sich bringt, nicht genutzt.

Empfehlungen für den Umgang mit Unterschieden

Will man mit den Mitgliedern unterschiedlicher Kulturen und ihren Werten erfolgreich umgehen, so bedeutet dies, einen positiven und erfolgreichen Weg zu finden, die vorhandenen Differenzen der Werte zu integrieren.

Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Zu wissen, dass das Verhalten von Menschen durch ihre Werteorientierung beeinflusst wird 
  • Zu wissen, dass die allgemeine Ausprägung der Werte von Kultur zu Kultur unterschiedlich ist 
  • Zu akzeptieren, dass die Abweichung der Ausprägung zur eigenen hin keine Bedrohung darstellt 

Der dritte Aspekt ist grundlegend wichtig, da man bei Bedrohung der eigenen Ansichten mit Rechtfertigung reagiert. Die eigene Position wird als richtig bewertet und die des Gegenübers dadurch abgewertet. Dies führt zu Konflikten, welche die interkulturelle Zusammenarbeit behindern können.

Die erworbenen Kulturkenntnisse sind als theoretische Grundlage zu sehen, die im Kontakt mit Personen anderer Kulturen hilfreich sein können, die individuellen Fertigkeiten und Fähigkeiten, Erfahrungen und Kenntnisse des Gegenübers zu erkennen und zu verstehen. Für den Aufbau einer soliden und tragfähigen Arbeitsbeziehung kann zudem das Wissen über den sozialen Hintergrund und die berufliche Entwicklung sowie über die Stärken und Schwächen des Anderen hilfreich sein.

Genauso wichtig wie diese Kenntnisse über den Partner zu haben ist es, all diese Aspekte auch für die eigene Person benennen zu können.

Aktives Handeln in interkulturellen Arbeitszusammenhängen kann bedeuten, die eigenen Stärken und Schwächen zu analysieren und sich deren Wirkung bewusst zu machen. Um gemeinsame Ziele zu erreichen, muss jeder seine Stärken in die Zusammenarbeit einbringen.

Die Stärken des fremdkulturellen Partners sind oft jene Bereiche, an denen man sich weiterentwickeln kann.

Wichtig für eine erfolgreiche und störungsfreie Zusammenarbeit ist auch, dass kommuniziert wird, welche Verhaltensweisen als normal und selbstverständlich und welche als irritierend von jedem Einzelnen angesehen werden.

Kulturelle Unterschiede der Teammitglieder in der Zusammenarbeit sind nicht das eigentliche Problem; problematisch ist es, wenn diese nicht wahrgenommen und nicht kommuniziert werden, sodass Konflikte nicht vermieden oder bereinigt werden können.

Was ist Interkulturelle Kompetenz?

Interkulturelle Kompetenz ermöglicht es, kulturbedingte Unterschiede in der eigenen Handlungs-planung angemessen zu berücksichtigen. Dadurch können Interaktionssituationen im interkulturellen Umfeld bewusst interpretiert und gestaltet werden. Neben einer kognitiven Komponente in Form von Wissensaspekten setzt interkulturelle Kompetenz eine affektive Komponente in Form von Einstellungsaspekten voraus, um die bewusste Verhaltenssensibilisierung im Sinne einer Handlungskompetenz umsetzen zu können. Ziel ist es, effektiv mit Menschen einer anderen Kultur zu interagieren und somit Probleme und Konflikte, die aus kulturellen Unterschieden resultieren, zu bewältigen bzw. von vornherein vermeiden zu können. (Böhm, 2004).

Weitere Informationen im Lexikonbeitrag zu Interkulturelle Kompetenz.